Photography aus Leidenschaft


Berliner Höhenweg -  2014


TAG 1

Bevor ich überhaupt anfange, jetzt schon ein kleines Fazit.....
Für alle Norddeutschen, deren Wanderungen sich auf den Teutoburger Wald beschränken und hin und wieder in die Alpen fahren, denen sei gesagt, dass der "Berliner Höhenweg" eine ganz andere Hausnummer ist!
Man kommt relativ schnell an seine körperlichen Grenzen!
Nun soll aber es losgehen, der erste Tag von der Gamsgrube zur Gamshütte: Gestartet wird auf 1000m, dann rauf zur Gamshütte auf 1921m. Was für ein Anstieg.....sollte das nach den ersten 30 Minuten so weitergehen, wird das eine ganz kurze "Berliner Höhenrunde" und ich kehre gleich wieder um! Aber der Weg wurde angenehmer und der innere Schweinehund hat den Rest gemacht, sodass ich die ersten außerirdischen Zeichen erreichte ....
Die Aussicht war entschädigent für die ersten Qualen und auch die Zeichen wurden verständlicher :-)
2:21 Stunden später war ich auf der Gamshütte angekommen und nachdem mir mein Schlafplatz gezeigt wurde, musste ich mir 2 alkoholfreie Weizen gönnen.
Infos zur Hütte: Die Waschräume erreicht man über den Weg nach draußen (also wichtig!!!! Badelatschen mitnehmen!) Duschen ist draußen unter freiem Himmel, hinter der Hütte, möglich. WLAN war im Haupthaus kein Problem mit excellenter Bandbreite. Das Essen und die Zimmer waren gut.

Viel Spaß und bei Fragen, fragen :-)

TAG 2

Was für eine Nacht! Einer der 6 Zimmergenossen meinte über Nacht die 9. Symphonie nachzuschnarchen. Dementsprechend sollte es so auf die heutige Horrortour gehen, 14km insgesamt zu bewältigen, ca. 1200m rauf und ca. 600m runter (eine der schwierigsten Etappen). Als Entschädigung für die Nacht, begann der Tag mit einem wunderschönen Sonnenaufgang. Nach dem Frühstück ging es immer am Berg entlang, mit wunderschöner Aussicht auf die Landschaft. Es kamen die ersten Steinplattenlandschaften und an dieser Stelle muss ich ein ernsthaftes Wort an denjenigen richten, der rote Punkte in einer grünen Welt verteilt. 80% aller Männer haben eine grün-rot-Schwäche (ich auch). Nach 4 Stunden hatte mein Körper keine Lust mehr signalisiert und ich hatte mich zur Abholung auf einen Stein gelegt, denn es war nicht einmal die Hälfte geschafft! Unbeschreiblich wie anstrengend wandern sein kann! Martin und Thomas (zwei Mitbestreiter) haben mich dann motivieren können weiter zu laufen, was in der Gruppe dann auch deutlich besser funktionierte. Zwar wurde unterwegs von allen noch oft geflucht, aber nach 8:45min waren wir endlich am Friesenberghaus angekommen. Ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal so auf eine warme Dusche (max. 3 Min) gefreut habe, aber das war Balsam für den Körper! Ein Highlight war noch das Abendessen mit Suppe, Hauptgang und Dessert. Danach bin ich total geschafft ins Bett gefallen. Obwohl bei einem 8 Bettzimmer immer Bewegung ist, habe ich gut durchgeschlafen. Auch wenn es mir sowieso nichts gebracht hätte, gibt es auf der Friesenberghütte kein WLAN für Besucher!



TAG 3

Weiter geht´s ..........
Neue Energie getankt und gut geschlafen, bin ich vor dem Frühstück hinunter zum Friesenbergsee auf 2445m gegangen, um eigentlich die aufgehende Sonne zu fotografieren. Danach hatte ich lange und in Ruhe gefrühstückt und erst um 9.40 Uhr, als so ziemlich Letzter, auf den Weg zur Olpererhütte gestartet. Die ersten 10 min. waren sehr schwierig und der Vortag lag noch in den Knochen. Nachdem der Körper aber in Schwung kam, war ich nach 1 1/4 Stunde, voller Elan, an der Olpererhütte angekommen. Was für eine schöne und neue Hütte, aber auch hier ist das Internet nur für die Hüttenmitarbeiter. Zwei alkoholfreie Weizen und einen leckeren Kaiserschmarrn später ging es los zur Furtschaglhütte die auf 2295m liegt. Der Abstieg zum Schlegeisspeicher und dessen halbe Umrundung ist eine angenehme Abwechslung und ist leicht zu schaffen. Kurz vor dem Aufstieg zur Furtschaglhütte setzte der Regen ein und ich brauchte noch 1 ¼ Stunde bis zur Hütte. Auch hier gab es wieder die Möglichkeit für 3€, 3 Minuten heiß zu duschen – herrlich. Internet gab es auch hier nicht, für die Gäste. Generell hat mir diese Hütte nicht so gut gefallen und das Essen war auch nicht meins, oder ich hatte das falsche Gericht ausgewählt?! Der Trockenraum wurde die ganze Nacht hindurch geheizt und so hatte ich zumindest meine ganzen Sachen wieder trocken bekommen.

TAG 4

Die Nacht war trotz der 8 Personen im Zimmer sehr ruhig, dennoch bin ich um 5.30 Uhr aufgestanden, um zügig loszukommen. Dann der Blick aus dem Fenster auf eine graue Wand. Laut Hüttenwirt sollte das Wetter nicht besser werden! Aus diesem Grund leider keine Königsetappe über das Schönbichler Horn (sehr schade), stattdessen ging es wieder runter zum Schlegeisspeicher und mit dem Bus zum Breitlahner. Von dort aus dann in 2:45 Stunden zur Berliner Hütte. Was für ein Anblick! Die Berliner Hütte hebt sich von allen anderen Hütten ab (aber auch ohne Internetzugang hahahaha)Die  Eingangshalle und die anderen Räumen gleichen eher schon einem Hotel! Ich bekam ein Einzelzimmer und konnte endlich meinen Rucksack noch einmal neu sortieren.


TAG 5

7:15 Uhr fertig gefrühstückt und abmarschbereit auf den Weg zur Greizer Hütte. Nach ca. 1 Stunde ist man am Schwarzsee, der mit Sonne mit Sicherheit wunderschön aussehen wird. Leider kann sich der gelbe Ball noch nicht so richtig durchsetzen. Dann ging es sehr anstrengend bergauf, über Steinplatten und langen Schneefeldern (wir hatten den 28.Juli :-), hinauf zur Mörchenscharte. Das Wetter meint es für wenige Minuten gut und es zeigt sich etwas die Sonne. Dann der Abstieg am Seil, der schon etwas Sicherheit voraussetzt um nicht den ganzen Berg herunterzurutschen. Der Nebel wird wieder dichter und erschwert zusätzlich das Laufen über die Geröllfelder. Genau auf Augenhöhe gegenüber liegt die Greizer Hütte! Also geht es erst runter ins wunderschöne Floitental, wo ich endlich meine Wasserflasche auffüllen kann und dann wieder rauf zur Greizer Hütte.Der Anstieg klaut einem nochmals die letzten Reserven, ist aber nach ca. 1 Stunde geschafft! Auf dieser Hütte gibt es leider keine Duschen und auch kein warmes Wasser. Bedeutet eiskalt waschen, was wirklich nicht angenehm war! Das Essen war gut. Leider gab es auch hier kein Internet und generell auch kein Handyempfang.

TAG 6

Mit dem Aufstehen und dem Frühstücken konnte ich mir heute Morgen Zeit lassen, da das Wetter wieder recht durchwachsen war und teilweise der Regen einsetzte. 8.35 Uhr bin ich dann mit Regenjacke los und konnte diese erst mal wieder in den Rucksack packen und die Weste anziehen. Doch die war noch im Trockenraum von der Greizer Hütte *Grmpf* Was man nicht im Kopf hat, hat man in den Beinen! Also alle Sachen an Ort und Stelle liegengelassen und zurück. 45 Minuten Später konnte ich meinen Rucksack wieder anschnallen und die Tour ging weiter. Kurz vor der Lapenscharte (2701m) setzte der Regen wieder ein und es wurde zunehmend kühler. Grau in Grau konnte man die Aussicht auf der Lapenscharte auch nicht so richtig genießen und der Stempel in der vorgesehenen Halterung war natürlich auch weg….. Was für ein Tag?! Dann das Highlight des Tages, drei Steinböcke ca. 10 Meter über mir. Was für ein Anblick! Fasziniert, und voller Freude war das einer meiner schönsten Augenblicke dieser Tour!
Das Wetter wurde nicht besser, Wolken mit Regen von oben unter mir Nebelschwaden die die Sicht ins Tal blockierten. Die Kassler Hütte lag wieder genau auf der gegenüberliegenden Seite, nur ging der Weg dieses Mal auf ca. gleicher Höher am Berg entlang. Eine nicht allzu vertrauenserweckende Brücke, einige Klettersteige an recht engen und zu dieser Zeit rutschigen Abhängen erwarteten mich auf dieser Etappe. Zum krönendem Abschluss gab es nochmals eine Hängebrücke. Die Kassler Hütte ist schön eingerichtet und der Hüttenwirt ist ein Knaller auf seiner ganzen Art! 18.00 Uhr trommelt er alle seine Gäste zusammen und es gibt den Wetterbericht für den nächsten Tag, der sehr witzig gemacht ist. Es kam so wie es kommen musste und mit mehreren Leuten am Tisch und dem Wirt hatten wir das Licht ausgemacht und sind mit „GuterNachtMedizin“(Obstler) ins Bett.

TAG 7

Das wird leider recht kurz! Aufgrund der schlechten Wetterlage (Dauerregen), musste ich die letzte Tour abbrechen und bin zurück ins Tal, wo ein Hüttentaxi an der „GrünenWandHütte“ auf einen wartete und mich für 8€ nach Mayrhofen gefahren hatte.


FAZIT: Eine wunderschöne, abwechslungsreiche und anstrengende Tour, die einem doch so manche körperlichen Grenzen aufzeigt. Anstelle von Hüttenschuhe würde ich jetzt immer Badelatschen mitnehmen, da manchen Waschräume nach draußen führen. Halbpension würde ich nächstes Mal nicht buchen, da man Abends immer zwischen den Gerichten auswählen kann und sich der Preis nicht sonderlich unterscheidet. Mindestens 2x Getränkeflaschen für die Etappen! Interessant war auch die Aussage, seine Flaschen nicht an den Wasserfällen aufzufüllen, weil diese Keime beinhalten könnten, die zu Magenschmerzen führen? Hatte ich nichts von gemerkt! Ich werde diese Tour auf jeden Fall in den nächsten Jahren wiederholen! Mit Sicherheit habe ich das eine oder andere nicht aufgeschrieben. Sollte sich jemand zu dieser Tour entscheiden, kann ich vielleicht noch den einen oder andern Tipp geben?

Ich hoffe, euch hat der Bericht gefallenund hier noch ein paar links zu den Hütten.

http://www.gamshuette.at/
http://www.friesenberghaus.com/
http://www.olpererhuette.de/
http://www.furtschaglhaus.com/
http://www.berlinerhütte.at/
http://www.alpenverein-greiz.de
http://www.alpenverein-kassel.de
http:// www.dav-wuerzburg.de